Warum wir überhaupt Versicherungsmakler geworden sind
Viele von uns, ich eingeschlossen, haben beruflich in der Ausschließlichkeit als Versicherungsvertreter begonnen, also für einen konkreten Versicherer gearbeitet. Ich habe meine Berufsausbildung bei einem der größten deutschen Versicherungsunternehmen gemacht und schon kurz danach gemerkt, dass sich diese Arbeitsweise langfristig nicht mit meinen inneren Überzeugungen vereinbaren lässt. Produktvorgaben, Verkaufsziele und saisonale Verkaufsaktionen für bestimmte Tarife sind aus meiner Sicht nicht im Interesse des Kunden, sondern dienen vor allem dem Vertriebserfolg des Versicherers.
Genau das war für mich und meine Kollegen der entscheidende Wendepunkt: Wir wollten nicht länger für einen bestimmten Versicherer arbeiten, sondern für Menschen. Wir wollten Lösungen finden, die zu unseren Kunden passen, statt Produktvorgaben und Verkaufszielen eines Konzerns hinterherzulaufen.
Genau deshalb sind wir freier Versicherungsmakler geworden.
Was wir (und unsere Kunden) in der Praxis unter „unabhängig“ verstehen
Wenn unsere Kunden sagen, sie suchen einen „unabhängigen Versicherungsmakler“, dann meinen sie in aller Regel etwas sehr Konkretes und das hören wir immer wieder schon im Erstgespräch:
- Keine Produkt- oder Absatzvorgaben eines einzelnen Versicherers
- Keine Bindung an ein bestimmtes Unternehmen
- Auswahl aus dem Markt statt aus einer Produktliste eines einzelnen Anbieters
- Beratung, die vom Bedarf des Kunden ausgeht – nicht vom Ziel des Versicherers
Das ist auch unser Selbstverständnis. Wir arbeiten nicht mit Vorgaben, die uns ein Versicherer macht. Wir haben keine Quote, die wir erfüllen müssen. Wir sind nicht der verlängerte Arm eines einzelnen Produktgebers. Wir verstehen uns als Interessenvertreter unserer Kunden und so verhalten wir uns auch. Um dieses Verständnis zu festigen, klären wir im Erstgespräch bewusst die Rollen: Vertreter, Makler, Versicherungsberater und erklären, was das in der Praxis bedeutet.

Warum das Urteil aus unserer Sicht an der Praxis vorbeigeht
Das OLG Dresden stützt die Irreführungsgefahr maßgeblich darauf, dass Versicherungsmakler üblicherweise vom Versicherungsunternehmen vergütet werden und das Verbraucher daraus eine falsche Vorstellung ableiten könnten, wenn ein Makler „unabhängig“ sagt.
Genau hier liegt unser zentraler Widerspruch aus der Praxis:
- Unsere Erfahrung ist, dass die meisten Kunden sehr wohl wissen (oder spätestens nach kurzer Erklärung verstehen), wie Versicherungsmakler typischerweise vergütet werden.
Wir sprechen das proaktiv an und zwar bei jedem Neukunden. Wir erklären, was Courtage bedeutet, was Alternativen sind (z. B. Beratung und Vermittlung gegen Honorar) und wie sich das in der Beratung auswirkt. - Vergütung ist nicht gleich Weisung.
Das eine Vergütung häufig über Courtage läuft, bedeutet nicht automatisch, dass wir „abhängig“ im Sinne von Vorgaben oder Steuerung wären. Genau das ist aber das Bild, das bei dieser strengen Auslegung mitschwingen kann und das widerspricht dem, wie wir und viele Kunden den Markt erleben. - Der Begriff wird in der Lebensrealität anders benutzt als in der juristischen Trennlogik.
Das Urteil stellt stark auf die Abgrenzung zu Versicherungsberatern ab, die ausschließlich vom Kunden bezahlt werden. Das ist als rechtliche Kategorie nachvollziehbar. In der Alltagssprache unserer Kunden bedeutet „unabhängig“ aber in erster Linie: nicht an einen Versicherer gebunden und frei in der Produktauswahl.
Und genau dieses Alltagsverständnis deckt sich mit dem, was wir täglich leisten und was Kunden in zahlreichen Bewertungen und Feedback immer wieder zurückspiegeln: verständlich, strukturiert, lösungsorientiert – ohne Produktvorgaben. Hier als Beispiel nur ein paar unserer Google Bewertungen, bei denen unsere Kunden die Unabhängigkeit von einzelnen Anbieter klar zu erleben scheinen.
Alle zugehörigen Fragen wurden klar struktiert, nachvollziehbar und auf meine individuelle Situation zugeschnitten erläutert. Sehr professionell und empfehlenswert.
Dankeschön.
Was wir jetzt tun und wofür wir weiter stehen
Wir müssen dieses Urteil leider akzeptieren und werden unsere Außendarstellung so anpassen, dass sie rechtssicher bleibt. Gleichzeitig bleibt unser Kern unverändert: Wir stehen für freie Beratung ohne Vorgaben einzelner Versicherer, für Transparenz in der Vergütung und für eine Arbeitsweise, die unsere Kunden konsequent in den Mittelpunkt stellt.
Das bedeutet ganz konkret: Wir starten nicht beim Produkt, sondern beim Menschen. Wir hören zu, stellen die richtigen Fragen, ordnen ein und erklären verständlich, welche Optionen es gibt: inklusive Vor- und Nachteilen. Wir empfehlen nur, was fachlich sinnvoll und nachvollziehbar ist und dokumentieren unsere Entscheidungen sauber. Und wir sprechen Vergütung offen an: wie sie typischerweise funktioniert, welche Alternativen es gibt und was das in der Praxis für unsere Kunden bedeutet. Und genau dafür stehen wir auch künftig, unabhängig davon, welche Begriffe wir in der Außendarstellung verwenden dürfen.


